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Das Fronleichnamsfest in unserer Pfarreien-Gemeinschaft fand wegen Corona auch in diesem Jahr ohne feierliche Prozessionen statt. Auch wenn manche Gemeindemitglieder diese Einschränkung bedauerten, fanden viele gerade dadurch einen neuen Blick auf das Wesentliche des Fronleichnamfestes.

Pfarrer Redelberger erzählte in seiner Predigt von einem Pfarrer und dessen Missgeschick vor etlichen Jahren.

Damals hatte die Gemeinde das Fronleichnamsfest gut vorbereitet: die vier Himmelträger in ihren guten Anzügen standen bereit, eine große Schar von MinistrantInnen wussten um ihre verschiedenen Aufgaben, die Vorbeterinnen hatten ihre Textzettel und das Mikrofon in der Hand, viele Häuser an der Wegstrecke war schön geschmückt, sogar die gelb-weiße Fahne an der Kirche war hochgezogen, die Prozession setzte sich in Bewegung. Doch unterwegs entdeckte der Pfarrer plötzlich, dass er wohl die Monstranz, nicht aber die große Hostie mitgenommen hatte.

Alles hatten sie perfekt organisiert, es fehlte nichts - außer dem Wesentlichen, der Hostie, dem Leib des Herrn, dem „Fronleichnam“. Erschrocken ließ der Pfarrer die Prozession anhalten, um die Hostie aus dem Tabernakel der Kirche zu holen. Erst nachdem diese in die Monstranz eingesetzt war, setzte sich die Prozession wieder in Bewegung.

Pfarrer Redelberger deutete die Prozession ohne Hostie, die reich geschmückte Monstranz ohne das Allerheiligste als Anfrage an unseren Glauben, an unsere Gemeinden bzw. an unsere Kirche:

„Eine Prozession ohne Hostie, könnte das ein Bild sein für mein Leben, eine Anfrage an mein, an unser Christsein, eine ernsthafte Anfrage an uns als Kirche? Tragen wir das Wesentliche in uns? Haben wir das Allerheiligste für uns Christen, Jesus Christus, in unserer Kirche verinnerlicht?

Ist es der Geist Jesu, der das Klima in unserer Dörfern bestimmt? Wie gehen wir miteinander um? Wie reden wir übereinander? Ist das Allerheiligste in unseren Gemeinden zu spüren, oder achten wir zu sehr auf Äußerlichkeiten? Was ist das Heilige und die Hauptsache für uns: die prunkvolle Monstranz oder das gebrochene Brot der Eucharistie?“

In diesem Jahr hatten alle fünf Gemeinden angesichts der Pandemie kreative Gestaltungsformen des Fronleichnamsfestes gefunden:

In Ansbach und Karbach fanden die Festgottesdienste neben bzw. vor der Kirche statt. Blumenteppiche waren liebevoll in Birkenfeld vor der Kirche, in Urspringen in der Kirche vor dem Altar gelegt worden. Die Gemeinde Roden feierte das Fronleichnamsfest am Sonntag darauf.

Die Kirchenmusiker gestalteten die Gottesdienste mit Akkordeon, Orgel oder Blaskapelle. Neue Wege gab es auch bei den Liedern: Sänger und Sängerinnen sangen vor und wechselten sich bei den Liedstrophen mit dem gemeinsamen Gebet der Gemeinden ab.

In diesem Jahr war an Fronleichnam vieles anders als in den Jahren zuvor. Anzeichen der sich auflösenden volkskirchlichen Formen waren jedoch auch in den Jahren vor Corona gerade an Fronleichnam nicht mehr zu übersehen gewesen. Sicher, man kann die Umbrüche und Veränderungen bedauern und den alten Zeiten nachweinen.

Aber die große Chance gerade an Fronleichnam ist die Besinnung auf das Wesentliche. Die für die Kirche heute not-wendige Frage lautet: Tragen wir Christus nur in der Monstranz oder auch in unserem Denken und Verhalten, in unseren Gemeinden und auch in den Strukturen der Kirche?

Des synodale Weg der kath. Kirche in Deutschland mit den vier Themengebieten zeigt: Da sind noch einige Hausaufgaben zu erledigen!

  1. Aufarbeitung der Missbrauchsverbrechen in der Kirche
  2. Lebensform der Bischöfe und Priester
  3. Sexualmoral der Kirche
  4. Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche


Stefan Redelberger, Pfarrer

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